Achtsam Führen . Uns selbst und andere

Achtsam zu führen, uns selbst und andere – auch in Krisenzeiten – ist eine starke Ressource. Aber was bedeutet Achtsamkeit eigentlich?

Achtsamkeit bedeutet und zielt darauf ab, einen besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand zu erreichen, mit dem wir Stress, körperlichen und seelischen Anspannungen, Konzentrationsmangel und Zerstreutheit vorbeugen und aktiv entgegenwirken.

Die Achtsamkeitspraxis kommt aus der buddhistischen Lehre des Satipatthana-Sutra. Der Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn (*1944) entwickelte 1979 darauf basierend ein medizinische systematisches Programm zur Stressbewältigung:

Mindfulness-Based Stress Reduction = Stressbewältigung durch Achtsamkeit

Das Konzept der Achtsamkeit unterstützt eine umfassende ganzheitlich gesunde Lebensführung und Alltagsbewältigung. Ausgehend von buddhistischen Vorstellungen, definieren Wissenschaftler diese als intensive Aufmerksamkeit, die wir offen und akzeptierend auf unsere persönliche Gegenwart und Umwelt richten.

Achtsamkeit dient als bewusster Entschleuniger unserer komplexen Umwelt.

Der Fokus liegt stattdessen auf Ruhe und dem Hier und Jetzt. Um davon ausgehend verantwortungsvoll, ressourcenorientiert sowie effektiv und effizient handeln zu können. Denn bewusstes und achtsames Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln führen zu einer entspannten Fokussierung und einer vorurteilsfreien Offenheit, welche eine produktive Reform bedingen. Sind wir ganzheitlich achtsam, nehmen wir unsere Wirklichkeit wahr. Ohne sie vorschnell zu interpretieren und so klar, clever und effizient zu agieren und zu entscheiden.

Das Konzept der Achtsamkeit beschreibt die bewusste Wahrnehmung und das Erleben des aktuellen Momentes mit allen Rezeptoren: Gedanken, Emotionen, Sinneseindrücken, körperliche Vorgänge und alles, was um uns herum geschieht, beobachten wir wertfrei und akzeptieren diese Gegebenheiten. So erreichen wir einen Bewusstseinszustand, in dem wir unsere Umwelt sowie unsere eigenen Gedanken und Gefühle besser kennenlernen und die verschiedenen Signale einfacher empfangen.

Dies führt zu einer Veränderung unserer Persönlichkeit, bis wir den Zustand erreichen, dass ein Teil unserer Aufmerksamkeit achtsam beobachtet und agiert, während wir in unserem alltäglichen Tun fortfahren. Die Achtsamkeit ist dann in unserer Struktur implementiert und läuft selbstständig ab. Sie transformiert uns und unseren Alltag signifikant positiv. Die Schulung der Wahrnehmung von Körper, Geist und Umwelt hat mehrere nachweisliche, nachhaltig verstärkende Wirkungen.

Feingefühl, Offenheit, Konzentration, Stabilität und Gesundheit werden nachweislich verbessert. Schreckhafte Reaktionen, Anspannungen nach Stressreizen, depressive Sequenzen und Schmerzen werden deutlich vermindert. Diese Verstärkung von Ressourcen kann dazu führen, dass in erregten emotionalen Situationen auch diese Gefühle verstärkt werden. Sind wir bereits emotional erregt durch Wut, Ärger, Frust, Trauer oder depressive Episoden, können in diesem Moment ausgeführte Übungen diese Gefühle weiter vergrößern. Dabei ist es wichtig, dass wir die Situation und die involvierten Emotionen möglichst sachlich und klar betrachten. Indem wir in diesen Phase ruhig und objektiv analysieren, können wir wieder gelassen denken, fühlen und agieren. Auch innerhalb des achtsam seins ist also Achtsamkeit gegenüber unserer Situation gefordert.

Trainieren und kultivieren wir Achtsamkeit, nehmen wir uns und unsere Umwelt ganzheitlich bewusst, unkritisch und annehmend wahr und profitieren dadurch nachhaltig und gesamtheitlich:

  • Wir erhalten ein klareres Verständnis unser Selbst und unseres Lebens. Dies ermöglicht es uns, Zugang zu den eigenen inneren Ressourcen zu finden und unsere selbst gesteckten Grenzen zu erweitern.
  • Wir werden selbstbewusster und selbstbestimmter. Und können daraus hervorgehend besser Grenzen setzen und anerkennen.
  • Wir können besser mit Stress und Belastungen umgehen. Und lernen, ruhig zu bleiben anstatt vorschnell hektisch oder panisch zu reagieren.Unser Geist beruhigt und stabilisiert sich.
  • Wir verfallen weniger in Sorge und Grübeleien oder Melancholie. Denn wir erkennen und akzeptieren realistisch, was wir bereits erreicht haben, worauf wir stolz sein können und worüber wir uns freuen.
  • Wir entwickeln eine positive Gedankenstruktur und Kommunikation sowie einen optimistische Basis unserer Persönlichkeit. Durch unseren achtsamen Umgang erlangen wir wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse, welche uns optimistisch weitertragen.
  • Wir reflektieren, verarbeiten und nutzen Situationen, Impulse und Ideen positiv. Negative Gedanken und Gefühle lenken wir selbstbestimmt und selbstbewusst. Und zwar in sinnvolle Kanäle, die wir nutzbar für uns machen können.
  • Wir werden geduldiger uns selbst und anderen sowie Situationen gegenüber. Achtsamkeit entschleunigt automatisch. Darüber erlangen wir mehr Geduld und Disziplin.
  • Wir lernen uns mit unseren Stärken und Schwächen besser kennen. Indem wir uns auf uns konzentrieren und uns selbst reflektieren.
  • Wir lernen unsere Impulse zu kontrollieren. Anstatt vorschnell zu reagieren handeln wir konzentriert und bewusst.
  • Wir treffen bessere Entscheidungen. Indem wir diese sorgsam überlegt treffen.
  • Wir entwickeln mehr Gleichgewicht, Stabilität, Souveränität und Lebensfreude. Und halten diese auch angesichts schwieriger Situationen oder Lebensumstände bei.

Achtsamkeit ist also eine Qualität des menschlichen klaren Bewusstseins, bei dem jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment vorurteilsfrei registriert und zuzulassen wird. Mit zunehmender Achtsamkeit reduzieren sich gewohnheitsmäßige automatische und unbewusste Reaktionen auf das gegenwärtige Erleben, so dass es zu einem hohen Maß an adäquatem, authentischem und selbstbewusstem Handeln kommt. Wenn wir achtsam leben, merken wir, dass unser Glück und unsere Lebensfreude nicht von äußeren Bedingungen abhängig sind, sondern auf unserem klaren und konzentriertem Geist und Körper beruhen.Daraus ziehen wir auch in herausfordernden Situationen und schwierigen Phasen Kraft aus unseren inneren Ressourcen.

Führung und Achtsamkeit

Andere Menschen und sich selbst zu führen, zu inspirieren und in der persönlichen und organisatorischen Entwicklung zu fördern ist eine Herausforderung vor der wir alle stehen. Beruflich und / oder Privat.

Die Art und Weise mit der wir führen, ist eine individuelle Spezifikation, welche beeinflusst wird von unser Persönlichkeit, unseren Erfahrungen, unseren Werten und unserem Menschenbild. Daher ist es elementar, dass wir uns selber besser verstehen, uns selber verantwortungsvoll führen und in unserer Entwicklung nachhaltig begleiten, bevor wir andere effektiv führen können.

Wer das verinnerlicht hat, führt besser. Sich und Andere.

Denn nur wenn wir Verantwortung für unser eigenes Handeln und Nicht-Handeln übernehmen und klar und konstant unsere Wertvorstellung und Bedürfnisse erkennen und kommunizieren, nehmen wir unsere Umwelt umfassend war und können daraus hervorgehend weitsichtiger, verantwortungsvoller und nachhaltiger führen. Die achtsame Wahrnehmung dient dabei als Regulativ für unsere Selbstführung und unser Selbstmanagement, denn Achtsamkeit ist ein spezifischer Zustand des Geistes, der es ermöglicht, auch bei hohem Informations-, Kreativitäts- und Entscheidungsdruck klar und besonnen zu bleiben und bewusst zu agieren. Das Konzept der Achtsamkeit beinhaltet, dass jedes Wort, jede Tat und jeder Gedanke eine interne und externe Wirkung hinterlässt. 

Unser Handeln beeinflusst uns, unseren Gegenüber und unsere Umwelt positiv oder negativ.

Die Transformation hin zu gesteigerter Achtsamkeit fördert unsere Qualitäten in unserer eigenen Führung und Selbstführung und verändert unseren Führungsstil positiv natürlich und nachhaltig.

Davon ausgehend bedeutet Achtsamkeit für Führungspersönlichkeiten und Führungspositionen, dass wir:

  • bewusst und klar im Moment sind
  • wahrnehmen, was real ist
  • wahrnehmen, was wichtig ist
  • bewusst Handeln vor der Hintergrund der akzeptierten Realität
  • beobachten ohne zu interpretieren oder vorschnell zu urteilen
  • engagiert achtsam leben.

Daraus resultiert, dass Führungskräfte durch die eigenen Errungenschaften der Achtsamkeit Ihren Führungsstil optimieren und bewusst positiv steuern.

Achtsame Führungskräfte gehen mit Ihrer Verantwortung bewusster und ressourcenausgerichteter um. Und geben die eigene Klarheit und positive Grundeinstellung gleichzeitig an Ihre Mitarbeiter weiter. Sie agieren authentisch und lebendig aus sich selbst heraus, fordern realistisch und beherzt sowie inspirierend ohne getrieben oder unter Druck zu sein.

Das Ergebnis sind eine starke Haltung, hohe Motivation, begeistertes Engagement und ganzheitliche Erfolge. Sowohl bei sich selbst, als auch bei den Mitarbeitern.

Und dies bedeutet nachhaltigen und stetigen persönlichen Erfolg, Erfolge im Team und Erfolg für das Unternehmen. Nach Innen und Außen.