Die Krise und die Kreativität . Der Artikel

Beflügelt die Krise unsere Kreativität oder bremst sie uns aus?

Kreativität ist schöpferische Gestaltung. Kreativität ist ein (er)schaffendes Lebensgefühl. Kreativität bedeutet Kraft und Lebensmut. Kreativ zu leben entspricht unserer Natur als Menschen. Und Kreativität wird immer dann erlebbar, wenn wir mutig Neues wagen. In unterschiedlichsten Formen und Prozessen sowie Ergebnissen. Im Großen und im Kleinen.

Kreativität und Krise sind zwei Seiten sich oft bedingende Seiten des Lebens. Besonders in Krisenzeiten bedarf es unserer kreativen Fähigkeiten. Kreatives Denken und Handeln sind in Zeiten von Umbruch, Veränderung und ökonomischer Krisen notwendig, um flexibel auf neue Anforderungen und Herausforderungen zu reagieren, kleine und große Ideen zu verwirklichen und unsere Lebenswelten anzupassen. 

  • Doch wie gelingt dies?
  • Und was bedeutet Kreativität konkret?
  • Wie entfaltet sich Kreativität?
  • Und können wir sie erlernen?

Bewusst Denken.

Bewusst Denken, nicht positiv, nicht negativ, sondern realistisch lösungsorientiert. Das alles passiert in der Krise. Unsere Kreativität wird gefordert und gefördert.

Kreativität ist, wie Intelligenz, ein Begriff auf einem hohen Abstraktionsniveau. Alle sprechen darüber, aber was ist eigentlich die Definition von Kreativität?

Der US-amerikanische Wissenschaftler Mel Rhodes ist einer der bedeutsamsten Kreativitätsforscher. Er beschäftigte sich bereits in den 1960er Jahren mit den Faktoren, die unsere Kreativität maßgeblich beeinflussen.

Dabei fand er vier Grundelemente, die Kreativität ausmachen und bis heute gültig sind:

1 Die kreative Person
Die Person umfasst das breite Feld der persönlichen Voraussetzungen und Charaktereigenschaften. Dazu gehören Persönlichkeit, Intellekt, Temperament, Gewohnheiten und Verhaltensweisen, dessen Bestandteile die Kreativität fördern oder hemmen.

2 Der kreative Prozess
Zum Prozess gehören die Aspekte Motivation, Lern- und Denkvermögen, Wahrnehmung und die Art und Weise der Kommunikation.

3 Das kreative Produkt
Das Produkt ist gleichzeitig auch die Idee. Eine geistige immaterielle oder sichtbare, entstehend in einem Schaffensprozess (creatio). Das Produkt ist eine greifbare Idee und damit eine Erfindung.

4 Das kreative Umfeld
Das kreative Umfeld umfasst alle Faktoren der Umgebung, die Einfluss auf die Kreativität nehmen. Dabei spielt die Beziehung zwischen der Person und ihrer Umgebung eine wichtige Rolle.

Was grenzt unsere Kreativität ein?

Unser Gehirn geht davon aus, dass es nicht notwendig ist, die Welt permanent neu zu entdecken. Vielmehr möchte es, dass alles kontinuierlich und homogen abläuft. Daran hat es sich seit vielen tausend Jahren der Evolution gewöhnt.
Wir sprechen von dem „Ökonomieprinzip des Gehirns“.
Dieses Ökonomieprinzip hat allerdings erhebliche Nachteile wenn es um kreative Prozesse geht. Tritt etwas Neues oder etwas Unerwartetes auf, ist unser Gehirn bei der Informationsverarbeitung schnell überfordert. Das Ökonomiegesetz des Gehirns ist daher der größte Feind der Kreativität. Denn wenn wir kreativ sein wollen, müssen wir die gewohnten Wege und Grenzen überschreiten.

Können wir Kreativität lernen?

Der britische Mediziner und Buchautor de Bono sagte:
„Kreativität ist nichts Mysteriöses, das als Talent manchen gegeben ist. Kreativität kann man lernen. Es geht dabei um Asymmetrien in den Gedankengängen und um unerwartete Wendungen. So gesehen funktioniert Kreativität wie Humor.“

Geniale Ideen entstehen also nicht nur in wenigen Superhirnen, sondern auch in durchschnittlichen Gehirnen.
Und noch eine gute Nachricht aus der Gehirnforschung: Unser Gehirn verfügt über eine fast grenzenlose Speicherkapazität für neues Wissen und neue Fähigkeiten.

Soweit zu den Fakten. Und in der Realität?

Ich habe von einem Pilotprojekt aus dem Jahr 2017 des Merck Curiosity Council gelesen. Hier geht es um die berufliche Neugier, die sich dadurch zeigt, dass es eine beeindruckende Vielzahl von ständig neuen Ideen gibt.

Doch Ideen zu haben ist das eine. Die viel wichtigere Frage ist, ob diese Ideen konsequent verfolgt werden und vor allem auch tatsächlich umgesetzt werden.
Spannend dabei ist zu sehen, dass bei Unternehmen die Umsetzung des Neuen und des Anderen erst dann erfolgte, wenn diese sich bereits tief in einer Unternehmenskrise befanden.

So wie wir es jetzt vielfach auch in dieser Krise erleben.
Die Lücke zwischen kreativer Idee und operativer Umsetzung wird Ideophobie genannt. Ideophobie besagt, dass Mensch und Organisation Innovation wollen, diese jedoch zugleich ablehnen, weil sie die bestehende Ordnung bedroht.

Aktuell hat uns die Coronakrise den Weg geebnet.

Nicht wie eine klassische Unternehmenskrise – die heutige Krise ist anders zustande gekommen – und dennoch mit kreativen Effekten und Konsequenzen. Menschen und Unternehmen sind kreativ, denken Out oft the Box, denken um und überlegen neu.
Hotels bieten ihre Hotelzimmer als Möglichkeiten für HomeOffice an, Mitarbeiter einer FastFoodKette unterstützen in Supermärkten, der Spielzeugladen vor Ort bietet telefonische Beratung und Lieferung vor die Haustür.
Darüber hinaus werden endlich digitale Prozesse gelebt. HomeOffice und VideoCalls sind zur etablierten Alternative geworden.
Den Mitarbeitern wird vertraut und Verantwortung übertragen, neue Arbeitswelten entstehen. Denn alle geben ihr Möglichstes.

Wir sind begeistert von soviel Pioniergeist, genutzten Möglichkeiten, neuem Mut.

Not macht uns erfinderisch. Nutzen wir diese Chance zur aktiven Gestaltung.

© by Elementardialog . Svenja Rose