Der Veränderungsprozess . Und wie er gelingt

Veränderungen sind allgegenwärtig. Und „Nichts ist beständiger als der Wandel“ wußte schon Heraklit vor über 2000 Jahren. 

Wir alle erleben Veränderungen in einem uns unbekannten Ausmaß im Moment. In der Krise. In unserem beruflichen und privaten Alltag.

Unsere Welt ändert sich elementar.

Wir arbeiten in neuen Umfelder, im Homeoffice, werden zu den Lehrern und Haupt-Spielgefährten unserer Kinder, eignen uns neue Fähigkeiten an, wechseln unsere Rollen, finden neue Beschäftigungen und Interessen, meistern Herausforderungen und stoßen an unsere Grenzen. 

Wir alle leisten momentan enorme Anpassungen.

Deren Ausmaße werden uns erst jetzt, wo wir uns an das Unbeständige gewöhnen und unsere Flexibilität erhöhen, in ihrem vollem Umfang bewusst. Wir werden uns weiter immer wieder neu anpassen müssen. Unsere Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit ist unser momentan wichtigstes Arbeitsmaterial. Die Geschwindigkeit von Veränderungen wird sich weiter erhöhen. Durch Globalisierung, Digitalisierung, moderne Informationskanäle und immer neue Kommunikationstools. Und durch Corona. Wandlungsfähigkeit – sowohl von Organisationen als auch von Menschen – ist für das Überleben in der modernen Welt von essentieller Bedeutung.

Die Angst vor Veränderungen

Und natürlich haben wir alle am Anfang Skepsis gegenüber Veränderungen. Der Eine freut sich eher darauf, der Andere blickt ihnen sorgenvoll entgegen. Diese Angst vor Veränderungen dient uns als natürlicher Schutzmechanismus, der uns vor Fehlern und ihren Folgen bewahren soll. Vor Fehlentscheidungen und unabsehbaren Konsequenzen. 

Die Veränderungs-Forschung zeigt, dass wir als Menschen als Individuen, in Teams und Organisationen in unserem Erleben von Veränderungen einer typischen Veränderungskurve folgen. Unsere Veränderungsangst und das Überwinden dieser folgen einem bekannten Ablauf in 7 Phasen mit abwechselnden Hohen und Tiefen in Aktivität, Produktivität, Motivation und Wahrnehmung der eigenen Kompetenzen. 

Egal ob Unternehmen, Organisationen, Teams und Einzelpersonen – wir Menschen benötigen Zeit um sich an Veränderungen anzupassen und neue Verhaltensweisen zu entwicklen. 

Und obwohl uns Veränderungen unser Leben lang begleiten, ist es elementar, die emotionalen Phasen des Veränderungsprozesses jedes Mal wieder zu durchlaufen.

Nur so gelingt Veränderung transformational und nachhaltig:

Manchmal ahnen wir es schon. Irgendetwas liegt in der Luft.

Dann erhalten wir die Bestätigung: eine Veränderung steht an, wir werden mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert. Wir sind geschockt! 

Wir spüren Unsicherheit bis hin zu Angst und zweifeln daran, die richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen zu besitzen, um den Veränderungen und neuen Anforderungen gerecht zu werden. Wir unterschätzen unsere Potenziale und Anpassungsfähigkeit unsere  Lernbereitschaft, Flexibilität und Kreativität.  

Haben wir den ersten Schock überwunden, lehnen wir die Veränderung oft ab oder verneinen sie komplett.

Vielleicht bleibt ja eigentlich alles so, wie es ist.

Oder der Change bringt nur minimale Veränderungen mit sich. Wir verdrängen und halten an unseren gewohnten Zeiten fest. In dieser Phase ist es unmöglich, etwas konstruktiv zu bewegen. Es gibt (noch) keine Bereitschaft zur Veränderung. 

Das Neue erleben, erkennen, verstehen und adaptieren

In der dritten Phase folgt die rationale Einsicht. Wir erkennen die Unumgänglichkeit und Notwendigkeit der Veränderung. Wir erkennen, dass wir uns anpassen, unser Verhalten ändern oder etwas neu erlernen müssen, um mit der Veränderung in Zukunft gut und erfolgreich zu leben. 

Dafür müssen wir uns jedoch zunächst verabschieden.

Von alten Verhaltensweisen, Einstellungen und Wünschen. Das macht uns traurig, schafft gleichzeitig jedoch Platz für Neues.  Das Alte wird losgelassen und es wird klar, dass es unumgänglich ist, sich mit den neuen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Dann können wir die Veränderung in der vierten Phase emotional akzeptieren. Auch wenn wir uns noch nicht vorstellen können, wie das Neue, für dass wir Platz geschaffen haben, aussieht. Wir sind bereit, uns künftige Perspektiven aufzeigen zu lassen und Visionen zu entwicklen.

 Die Veränderung hat unser Interesse.

Vielleicht hat die Veränderung ja doch Vorteile. Wie werden neugierig und nutzen diese Energie, um uns und auszuprobieren, neue Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlernen, neue Kompetenzen zu entwickeln, Fehler zuzulassen Fehler und bereit zu sein, durch sie zu lernen. Wir freunden uns an. 

So erleben wir und finden heraus, wie das Neue aussehen kann, welche Optionen und Potenziale wir haben, was gut funktioniert und was wir anpassen müssen. Ein klareres Bild der Zukunft entsteht. Und wir erkennen, dass wir es selbstwirksam mit entwickeln können.

Proaktivität schafft Produktivität

Indem wir in der letzten Phase die Kompetenzen, Verhaltensweisen und Ideen, die erwiesenermaßen erfolgreich und sinnvoll sind, integrieren. Sie werden vertraut und nach und nach normal und selbstverständlich für uns. Wir werden sie unbewusst an. Und fühlen uns nach durchlaufender Veränderung handlungsfähiger und kompetenter als vorher. 

Verstehen und akzeptieren wir, dass Veränderungen zu unserem Leben dazugehören, sich nicht verhindern lassen und notwendig sind, können wir lernen, mit diesen besser umgehen. 

Setzen wir uns mit unserem eigenen Erfahrungen auseinander, erkennen wir das Muster der Veränderungskurve und können uns auf unsere Erlebnisse, Kompetenzen und Selbstwirksamkeit verlassen. 

Für Veränderung im Jetzt und Hier. Für Veränderungen für die Zukunft.

© by Elementardialog . Sebastian Arps